Heizkennlinie bei witterungsgeführter Vorlauftemperaturregelung einstellen Bei der witterungsgeführten Vorlauftemperaturregelung wird die Heizkennlinie durch drei Einstell-Parameter beeinflusst: - Neigung der Heizkennlinie - Niveau der Heizkennlinie - Raumtemperatur-Sollwert (für normales, reduziertes und Komfort-Heizprogramm) - (Außentemperatur) Wie die drei Einstell-Parameter sich in Abhängigkeit von der Außentemperatur auf die Vorlauftemperatur und damit auch auf die Heizkennlinie auswirken, ist innerhalb der „Montage- und Serviceanleitung“ im Anhang, im Bereich „Funktionsbeschreibung“ in anschaulicher Form dargestellt und beschrieben. Einstellbereiche Neigung - Fußbodenheizungen: 0,2 bis 0,8 (0,2 für sehr gut isolierte Häuser) - Niedertemperaturheizung: 0,8 bis 1,6 (0,8 für sehr gut isolierte Häuser) Die Optimierung der Heizungseinstellung ist ein iterativer Prozess, der sich über mindestens eine Heizperiode hinzieht. Diese Arbeit kann der Heizungsbauer aus Zeit- und Kostengründen in der Regel nicht leisten. Das Hauptziel ist es, eine möglichst niedrige Heizkennlinie zu erreichen, ohne dass die Bewohner des Hauses frieren. Insbesondere bei Brennwertgeräten hilft eine möglichst niedrig liegende Heizkennlinie durch eine bessere Ausnutzung des Brennwerteffekts eine Einsparung von Energie und damit auch Kosten zu erreichen. Während der Einstellung der Heizkennlinie müssen die Thermostatventile des Referenzraums (Wohnzimmer) geöffnet sein, weil sonst nicht auffallen würde, dass die Heizkurve möglicherweise noch immer zu hoch eingestellt ist. Die Bezeichnung „Raumtemperatur-Sollwert“ ist zumindest bei der rein witterungsgeführten Vorlauftemperaturregelung unglücklich gewählt. Es ist im engeren Sinne kein Sollwert für die Raumtemperatur, sondern lediglich einer von drei Einstell-Parametern für die Vorlauftemperatur und damit auch die Heizkennlinie. An den Raumtemperatur-Sollwert können Schaltfunktionen gebunden sein, an die Neigung und das Niveau nicht. Anders gesagt: Es ist völlig normal, dass auch bei optimal eingestellter Heizkennlinie, der „Raumtemperatur-Sollwert“ und der tatsächliche Raumtemperatur-Istwert nicht übereinstimmen !!! (ein Umstand, mit dem sich Laien und auch einige „Experten“ hier in der Communtiy nur schwer anfreunden können). Bezogen auf deinen konkreten Fall: Du stellst den Raumtemperatur-Sollwert des normalen Heizprogramms zurück auf den von Viessmann für die Betriebsart Normal empfohlenen Einstellwert von 20°C. Die weitere Feinanpassung, die sich wie bereits gesagt über die gesamte Heizperiode hinzieht, erfolgt dann über die beiden Einstell-Parameter Neigung und Niveau entsprechend der am Ende dieser Beschreibung angefügten Empfehlungen von Viessmann. Diese Tabelle wurde aus der Bedienungsanleitung der Vitodens 200er-Reihe, Druckschrift 5855217, Ausgabe 7/2022, S. 30, entnommen. Entweder der Raumtemperatur-Sollwert des Normalbetriebs (für den Tagbetrieb) oder die Heizgrenze (Parameter 1395.1, Heizgrenze HK1 – falls vorhanden) entscheiden darüber, bis zu welcher Außentemperatur geheizt wird. Der niedriger eingestellt Wert bestimmt, wann die Heizung ein- und ausgeschaltet wird Beispiel 1: Der Raumtemperatur-Sollwert des Normalbetriebs stehe auf 39°C und die Heizgrenze stehe auf dem Voreinstellwert von 25°C. Dann wird bei einer Außentemperatur von 26°C die Heizung abgeschaltet und bei 24°C wieder eingeschaltet (weil die Heizgrenze dominiert). Kommentar: Unsinnige Einstellung, weil auf keinen Fall bis zu Außentemperaturen von 25°C geheizt werden muss, nicht mal in den Tropen. Beispiel 2: Der Raumtemperatur-Sollwert des Normalbetriebs stehe auf 20°C (Voreinstellung von Viessmann) und die Heizgrenze stehe auf dem Voreinstellwert von 25°C. Dann wird bei einer Außentemperatur von 21°C die Heizung abgeschaltet und bei 19°C wieder eingeschaltet (weil der Raumtempertur-Sollwert dominiert). Hinweise zum reduzierten Raumtemperatur-Sollwert (für den Nachtbetrieb) Wenn, wie üblich, der reduzierte Raumtemperatur-Sollwert für das Nachtprogramm eingesetzt wird, so lässt sich das Heizverhalten nachts durch die Wahl des Einstellwertes maßgeblich beeinflussen. Bei einem Einstellwert von z.B. 16°C wird nachts mit abgesenkter Heizkennlinie weitergeheizt, wenn die Außentemperatur unter 16°C liegt, also die Pumpe und Brenner arbeiten dann weiter. Liegt der Einstellwert des reduzierten Betriebs bei +3°C (tiefst möglicher Wert), so arbeiten Pumpe und Brenner nur, wenn die Außentemperatur unter +3°C liegt. Anders gesagt, bei einem gut isolierten Haus kann man den nächtlichen Betrieb von Pumpe und Brenner auf diese Art und Weise unterbinden. ____________________________________ Praktische Empfehlung zur Einstellung und anschließenden Optimierung der Heizkennlinie im konkreten Fall: - Raumtemperatur-Sollwert auf 20°C stellen - Neigung auf 1,2 stellen - Niveau auf 10 stellen Bei einer Außentemperatur von (bei mir derzeit -0,5°C) ergibt sich eine Vorlauftemperatur von ca. 57°C. Das dürfte für einen Altbau mit kleinen Heizkörpern ungefähr passen. Jetzt würde ich mehrere Stunden lang beobachten, ob die Vorlauftemperatur zu hoch (dann wird es im Referenzraum mit vollständig geöffnetem Thermostat irgendwann im Raum zu warm) oder zu tief liegt (dann wird es im Raum zu kalt) und dann eine Korrektur mit Hilfe des Niveaus“ vornehmen. Anschließend muss dann die Heizkennlinie während der gesamten Heizperiode optimiert werden, da sie im Moment nur für die Außentemperatur von -0,5°C passt. Das geschieht nach den bereits beschriebenen Viessmann-Empfehlungen:
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